Ulaanbataar – Hygiene im Gesundheitswesen der Mongolei – Walter Popp, Jörg Spors und Patrick Kreuz

An der Mongolei, zwischen China und Russland gelegen und einem der größten Binnenstaaten der Welt, rund fünfmal so groß wie Deutschland und mit einer Hauptstadt, die die Hälfte der 2,7 Millionen Einwohner des Landes bewohnen, lassen sich Hygieneprobleme, aber auch Chancen besonders gut aufzeigen. Der Mediziner Walter Popp vollzieht mit den Feuerwehrleuten Jörg Spors und Patrick Kreuz die Spannungen nach, in denen sich das Land bewegt. Die extreme Bevölkerungsdichte in Ulaanbataar ist unter anderem extremen Witterungsschwankungen geschuldet, die viehzüchtende Nomaden dazu zwingen, in Townships um die Hauptstadt zu hausen. Diese Situation bringt natürlich eigene Hygieneprobleme mit sich. 2010 reist eine Abordnung der Krankenhaushygieneabteilung des Uniklinikums Essen nach Ulaanbataar und startet das Projekt MeshHP („Mongolian emergency service hospital Hygiene Project“), um die Hygieneverhältnisse in zunächst zwei ausgewählten Krankenhäusern der Hauptstadt und im Rettungsdienst zu untersuchen und zu verbessern. Bisher ist die staatliche Investition in das Gesundheitssystem sehr gering (4,3% BSP), wohlhabende Mongolen besuchen bezeichnenderweise Krankenhäuser im Ausland. Die häufigsten Infektionskrankheiten in der Mongolei sind Tuberkulose und Geschlechtskrankheiten, es besteht eine hohe Durchseuchung mit Hepatitis B und C. Die Leberkrebsrate ist aufgrund dieser Durchseuchung und begünstigt durch den hohen Alkoholkonsum die höchste auf der Welt. Eine Durchimpfung der Bevölkerung kann diese Rate drastisch reduzieren. In der Krankenhaushygiene ist die großzügige Gabe von Antibiotika ein Problem, das die Gefahr durch multiresistente Keime erhöht. Alkoholische Desinfektionsmittel werden zwar propagiert, sind aber nicht vorhanden, ein Problem, das das MeshHP-Projekt angeht. Auch die Aufbereitung von Medizinprodukten, die vielfach noch von Hand geschieht, wird verbessert. Der chaotische Verkehr in Ulaanbataar macht die Arbeit des Rettungsdienstes extrem schwierig. Eine Schulung der Fahrer durch Feuerwehrleute und ihre medizinische Ausbildung sowie die Etablierung der regelmäßigen Desinfektion der Rettungswagen sind ebenfalls Teil des Projekts. Die Übertragung der Pest (die in der mongolischen Geschichte viele Todesopfer forderte) durch Murmeltiere ist nach wie vor ein Problem im Land.

Da in den nächsten Jahren hohe Geldgewinne aus dem Abbau der zahlreichen Rohstoffe des Landes zu erwarten sind, wird auch die Investition in Hygiene- und Gesundheitsmaßnahmen in der Mongolei steigen. Die ersten Schritte zur Verbesserung der Situation wurden mit dem MeshHP-Projekt angegangen, sie müssen aber in Zukunft zum Wohl der Bevölkerung ausgeweitet werden.

Der Volltext zu dieser Zusammenfassung findet sich in: H. W. Ingensiep / W. Popp (Hrsg.): Hygiene und Kultur. Interdisziplinäre IOS-Schriftenreihe Band 2. Essen: Oldib-Verlag 2012.

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